Guter Code ist wie gute Literatur

Die Grundlage vieler Innovationen ist Software. Software frisst die Welt („Software is eating the world“) sagte Marc Andreessen schon im August 2011. Software ist auch die Grundlage von allem maschinellem Lernen. Und woraus besteht Software? Aus Code. Da denke ich, es ist wichtig zu verstehen, was guter Code ist.

Ein guter Kollege empfahl mir zu diesem Thema das Buch „A Philosophy of Software Design“ von John Ousterhout. Der Name des Autors kam mir bekannt vor. Aber ich wusste nicht gleich, warum. Erst in einem späteren Kapitel, in dem John über die Tcl-Skriptsprache schrieb, wurde es mir klar. Ich hatte in den 1990er Jahren viel das Buch „Tcl and the Tk Toolkit“ desselben Autors benutzt. Ich entwickelte damals Linux-Gerätetreiber (ladbare Module für den Slackware Linux 0.99 Kernel) für ein Messsystem in meinem Physikstudium, und ich benutzte Tcl/Tk für die Anwendungs-Oberfläche.

„A Philosophy of Software Design“ ist cool. Es hat mich sehr stark an ein anderes Buch erinnert, das ich diesen Sommer gelesen hatte: „On Writing Well“ von William Zinsser. In dem Buch wird erklärt, wie man Texte aller Art schreibt. Sei klar und nutze kurze Sätze. Schreibe für dich, so wie du es gern lesen möchtest. Guter Code ist wie gute Literatur – er ist zeitlos. Die Software-Design-Tipps sind wie Tipps zum Schreiben von Literatur jeglicher Art – halte es einfach und vermeide Komplexität. Definiere gute Interfaces mit der richtigen Abstraktionsebene. Denke an andere Entwickler, die nach dir mit dem Code arbeiten werden.

Über Jahrzehnte hinweg haben sich diese Regeln nicht geändert. Und auch die scheinbar so agilen und schnellen Innovationen halten sich am Ende an diese Regeln, weil sie auf Code basieren. Und zwar idealerweise auf gutem Code.

DeepL – KI übersetzt am besten

Ich schreibe meine Artikel zuerst auf deutsch und hatte bisher Google Translate benutzt, um die englische Version zu erstellen. Das war zu ca. 80% gut, noch etwas poliert, dann war auch die zweite Sprache online.

Ein Kollege hatte mich gestern darauf hingewiesen, dass der DeepL Übersetzer eine viel bessere Übersetzungsmaschine für mich sein könnte. Ich habe es ausprobiert, und ich bin begeistert. Im direkten Vergleich mit Google Translate ist der DeepL Übersetzer um Längen besser darin, meine deutschen Artikel ins Englische zu übersetzen.

Was macht DeepL so besonders? Ich denke, es ist die konsequente Anwendung von neuronalen Netzen, maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz. Auf der DeepL Presse Webseite ist das so beschrieben:

„2016 – Das Team beginnt damit, ein neuronales Netzwerk zu konstruieren, das in der Lage ist, jede Art von Text zu übersetzen. Es wird später als DeepL Übersetzer bekannt. Dieses System baut auf jahrelanger Erfahrung des Teams mit maschinellen Lernverfahren und natürlicher Sprachverarbeitung auf und wurde mit über einer Milliarde hochqualitativer Übersetzungen trainiert, die durch Linguees Web-Crawler gesammelt wurden.“

Jetzt sind weitere 3 Jahre vergangen, und DeepL wird immer besser. Das ist es, was mich an guter Technologie so begeistert. Weiter so, DeepL Team!

Der Wettlauf zwischen Regulierung und Innovation

Während in der Politik und der Wirtschaft noch diskutiert wird, wie Künstliche Intelligenz (KI) reguliert werden soll, schreitet die Entwicklung neuer KI-Lösungen voran. Es ist ein Wettlauf. Neue und bessere Roboter werden gebaut, für die Küche und für das Militär.

Algorithmen übernehmen mehr und mehr Entscheidungen. Dabei können bestimmte Gruppen von Menschen benachteiligt werden, wie es im Oktober 2019 in den USA geschehen ist. Dabei sind die Algorithmen nicht per se „böse“. Sie verstärken die Vorurteile, die Menschen schon haben. Sie legen schonungslos offen, wie wir denken, weil unser Denken die Datensätze und die KI-Regeln (meist unbewusst) beeinflusst.

Ich glaube, dass neue Regulierungen da nur bedingt helfen. Wir haben jetzt schon sehr gute Gesetze, die sicherstellen, dass alle Menschen gleichgestellt sind. Die Anwendung der bestehenden Gesetzte und Regulierungen ist wichtig. Und noch wichtiger ist es, sich bewusst zu werden, wie KI Systeme lernen und wie wir sicherstellen, dass KI Systeme die aktuellen Regelungen einhalten.

Ich vermute, dass es da noch viel Forschungsbedarf gibt. Das Verhalten von KI-Systemen in die richtigen Bahnen zu lenken, darin liegt eine Chance für uns, die Zukunft positiv zu gestalten.

Macht dir das Angst? Nun, was wäre denn die Alternative? Die Anwendung von KI-Systemen zu verbieten? Ich glaube, das wäre schlimmer, weil es eine Schattenwirtschaft entstehen lassen kann, die KI Systeme weiter entwickeln. So ähnlich wie es Drogenkartelle gibt, die verbotene Geschäfte treiben. Doch mit der KI ist es viel gefährlicher, wenn sie im Verborgenen entwickelt wird, vielleicht sogar mit viel Geld und Ressourcen. Es ist gefährlicher, weil sie so mächtig ist.

KI kann im Guten wie im Bösen genutzt werden. Lasst uns die neuen Werkzeuge zum Wohle der Menschheit einsetzen. Dazu gehört vor allem Aufklärung und Transparenz. Lasst uns verstehen, wie jetzt schon vorhandene Regulierungen und Gesetze am besten angewendet werden können. Lasst uns KI-Techniken in den Schulunterricht behandeln, bildet die interessierte Öffentlichkeit weiter. Je mehr Menschen über KI Bescheid wissen, desto besser können wir sie im Griff haben. Neue Regulierungen helfen da nur bedingt.

Übrigens: Je näher wir der technologischen Singularität kommen, in der KI Systeme unkontrollierbar werden, desto mehr sollten wir diese Debatte über Regulierung führen. Vielleicht werde ich dann auch meine Meinung ändern.

Maschinelles Lernen schützt Honigbienen

Nach einigen kritischen Gedanken schreibe ich heute über einen Artikel, der mir zeigt wie die Technologie des maschinellen Lernens tatsächlich etwas sehr Gutes für diese Welt leistet: Deep Learning hilft Honigbienen zu schützen (englischer Blog Post). Dabei geht es um ein Thema, das in der IT schon viele Jahre in aller Munde ist: Automatisierung!

Hier wird das Auszählen und Auswerten der Waben der Honigbienen automatisiert und so bekommen Imker viel einfacher Informationen über den Gesundheitszustand ihrer Bienenstöcke. Ich finde das so cool und freue mich, dass Forscher daran arbeiten.

Immer öfter lese und höre ich, dass das Sammeln der Daten und das Aufstellen des Datenmodells die größten Hürden sind beim Einsatz von maschinellem Lernen. So ist es auch hier.

Die Algorithmen und Werkzeuge werden beschrieben, aber es fällt kein Wort über Infrastruktur. Das würde mich interessieren: Wo laufen die Werkzeuge und was kann da besser gemacht werden? Ich vermute mal, dass dieser Fall gut in einer Public Cloud aufgehoben ist.

Vielleicht treffen ich am 10./11. Dezember 2019 den Autor dieses Blog Posts auf der Machine Learning Conference in Berlin.

1984, Alfred Nobel und künstliche Intelligenz

Ich hatte geschrieben, dass ich einen positiven Beitrag für diese Welt leisten will und dass ich mich um die Verbreitung von maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz kümmern werde. Passt das überhaupt zusammen? Wie sieht der positive Beitrag von künstlicher Intelligenz heute aus?

Amazon Alexa, Google Home, Apple Siri, selbst fahrende Autos, intelligente Webseiten sind die Vorboten einer Welle von künstlicher Intelligenz, die gerade erst im Entstehen ist. In den Medien werden diese Vorboten oft kritisiert. Ist der freizügige Umgang mit unseren Daten vertretbar? Ohne unsere Daten, ohne viele Daten, funktionieren maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz nicht. Sind wir bereit, diesen Preis zu zahlen?

Wenn Du Dich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen willst, dann empfehle ich Dir wärmstens, den Roman „1984“ von George Orwell zu lesen. Orwell hat ihn 1947/1948 geschrieben, er wurde 1949 veröffentlicht, und er ist aktueller denn je. „Big Brother is watching you!“ In diesem Roman begleiten wir Winston, der im Ministerium für Wahrheit arbeitet und Zeitungsartikel umschreibt, damit vorhersagen der Regierung als wahr im Archiv stehen, auch wenn sie nicht eintreffen. Und Winston wird wie alle Bürger tag und nacht über Telescreens in ihren Wohnungen und bei der Arbeit beobachtet. Die Telescreens erinnern mit an Geräte wie Amazon Alexa, die auch mithören – und bald auch beobachten, wie die Telescreens im Roman „1984“. Was viele Jahre als irrwitzige Science-Fiction erschien, ist heute Alltag.  Lies den Roman und mache Dir selbst ein Bild von der Welt, die wir mit künstlicher Intelligenz erschaffen könnten.

Neue Technologien sind erst einmal neutral. Wie ein Küchenmesser. Es kann zum Kochen benutzt werden, oder man kann damit Menschen verletzen. Das Gute und das Böse sind beides möglich. Alfred Nobel hat Dynamit erfunden, um etwas Gutes zu bewirken. Er wollte den Bergbau vereinfachen. Das hat er auch geschafft. Aber dann wurde Dynamit auch benutzt, um Kriege zu führen. Das hat Nobel so sehr zu schaffen gemacht, dass er sein Vermögen eingesetzt hat, um die Nobel-Preise zu ermöglichen.

Jede neue Technologie steckt in diesem Zwiespalt. Seit der Steinzeit. Der Speer sorgte für Essen, wenn damit ein Tier erlegt wurde. Und er wurde auch für Kämpfe zwischen Menschen benutzt. Dieselben Seiten gibt es bei der Dampfmaschine, der Elektrizität, Motoren, Flugzeugen, Kernspaltung, was auch immer.

Auch maschinelles Lernen und die künstliche Intelligenz sind in der Lage, das Leben der Menschen ungemein zu erleichtern, autonom fahrende Fahrzeuge werden die Straßen sicherer machen und wir werden keine Zeit mehr in Staus vergeuden, sondern sie nutzen. Die Schattenseiten könnten eine umfassende Überwachung und Transparenz meiner Daten sein. Wer weiß.

Ich freue mich auf die Arbeit mit neuen Technologien. Ich glaube, dass die Welt am Ende dadurch ein Stück besser wird. „Technology as a force for good“, forderte der VMware CEO Pat Gelsinger. Das stimmt. Wir müssen aber auch reflektieren und ethische Aspekte berücksichtigen. Die Ethik neuer Technologien, das ist ein ganz eigenes Feld, ein wichtiges Feld. Wir müssen aufpassen, dass wir bei allem Fortschritt das nicht vernachlässigen.

Das ist ein Kernthema für meine Arbeit bei VMware.

Mein Weg zu künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen

Eines meiner persönlichen Ziele ist es, einen positiven Beitrag in dieser Welt zu leisten. Dazu gehört für mich ehrenamtliche Arbeit, Familie und Freunde zu unterstützen, aber auch mein Beruf als Mitarbeiter bei VMware.

Menschen geben Geld aus für Dinge, die Ihr Leben verbessern. Firmen bieten die Dinge an. Das können Produkte oder Dienstleitungen sein.

In diesem Kontext betrachte ich künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen (KI/ML). Können Produkte und Dienstleitungen durch KI/ML besser werden? Kann KI/ML einen positiven Beitrag für das Leben der Menschen leisten? Für viele ist dies eine offene Frage. Es gibt Befürworter und Skeptiker. Ich gehe davon aus, dass die Antwort „ja“ ist.

Dann folgt daraus die Frage: Wie kann ich mit meiner Arbeit bei VMware dabei helfen?

VMware ist eine Firma, die modernste IT Infrastrukturen anbietet. IT Infrastrukturen sind das Rückgrat für Unternehmen. Dort verwalten Unternehmen ihre Produkte, ihre Kundendaten, ihre Prozesse und Kommunikation. Und immer mehr Unternehmen nutzen IT Infrastrukturen, um ihre Produkte zu verbessern, oder sogar ganz neue Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Und diese Produkte bzw. Dienstleistungen sollten idealerweise das Leben der Menschen verbessern.

Wenn nun ein Unternehmen KI/ML nutzen möchte, muss es zuerst überlegen, wofür diese eingesetzt werden soll. Was ist der Grund für den Einsatz von KI/ML? Dann folgt die Überlegung, welche Technologie, welche Algorithmen oder welche Kombination von Technologien und Algorithmen am besten für diese Anforderung geeignet sind.

Dann folgt die Bestimmung der KI/ML Infrastruktur. Und an diesem Punkt kann VMware eine sehr gute Basis liefern. Hier kann ich meinen positiven Beitrag für die Welt liefern, indem ich helfe die Punkte zu verbinden. Das Potenzial von VMware, die Menschen, die Unternehmen, die Technologie, die Ethik, und andere Aspekte, die beim Einsatz vom KI/ML wichtig sind. Es ist ein komplexes Feld mit vielen Anhängigkeiten. KI/ML wird immer mehr Bereiche erobern. Der Beitrag von VMware für die IT Infrastruktur dieser Welt kann signifikant sein. Ich weiß nicht, wie er genau aussehen wird. Es ist eine Reise mit ungewissem Ausgang. Aber es ist eine spannende Reise.

Ich folgenden Beiträgen werde ich meine Reise dokumentieren. Ich werde Fragen aufwerfen, und vielleicht auch einige Fragen beantworten. Es ist meine persönliche Sicht auf die Welt neuer Technologien.

Urlaubslektüre

Sind Ratgeberbücher wirklich überflüssig? Die ganz guten Bücher stellen am Ende doch nur gesunden Menschenverstand vor. Was soll ich dabei lernen? Trotzdem liegen sie im Trend, auch bei meinen Kollegen im Silcon Valley.

Bei meinem letzten Besuch in Palo Alto, CA, war ich im Standford University Book Store, um mir ein paar Bücher zu kaufen. Dieser Buchladen war riesig, mit einem Café und vielen jungen Menschen. Ich fühlte mich wie in einer Bibliothek. In Zeiten von eReadern wirkte es wie ein Museum, wo alte Traditionen sichtbar werden. Ich mochte diesen Ort.

Urlaubslektüre
Urlaubslektüre

Jetzt bin ich im Urlaub im Schwarzwald und habe zwei der Bücher gelesen: On Writing Well von William Zinsser und Start With Why von Simon Sinek. Das dritte Buch How To Fix The Future von Andrew Keen folgt. Meine Frau fragt, worum es in diesen Büchern geht. Ich erzähle ihr, dass ich im Buch On Writing Well lerne, wie ich bessere Texte schreiben kann. Nutze aktive Verben, kurze Sätze – und besonders wichtig ist die Vorstellung, dass ich für mich selber und nicht für andere schreibe. (Ich muss die Einführung zu meinem Blog anpassen.) Meine Frau anwortet, dass dies doch alles selbstverständlich sei, es sei gesunder Menschenverstand. Warum verschwende ich meine Zeit damit? Ich solle viel lieber etwas lesen, wobei ich meine Seele baumeln lassen kann. Einen guten Roman oder einen Reisebericht.

Meine erste Reaktion ist Widerspruch. Dann überlege ich, ob meine Frau einen guten Punkt gefunden hat. Als ich Start With Why lese, wundere ich mich, wie trivial die Botschaft ist. Wenn Du andere Menschen bewegen willst, dann helfen logische Argumente wenig. Stattdessen sei ganz deutlich darin, WARUM Du etwas tust. Logisch. Eigentlich ist das doch auch nur gesunder Menschenverstand. Aber warum agieren so viele Firmen ganz anders? Warum wird oft versucht, mit technischen Argumenten zu gewinnen? Weil gesunder Menschenverstand („common sense“) eben doch nicht „common“ ist, nicht allgemein verbreitet. Und genau darum, sind diese Ratgeber-Bücher beliebt.

Auch ich mag ab und zu an meinen gesunden Menschenverstand erinnert werden. Selbst wenn es allgemeinem Handeln zu widersprechen scheint. Ich werde ein anderes Mal mehr darüber schreiben. Bis dahin wünsche ich dir viel Freude an deiner Lektüre, was auch immer es sein mag.

Wie Innovationen Zeit stehlen

Hast du schon mal überlegt, was viele Innovationen und modern Trends aus dem Silicon Valley und anderen Innovationszentren gemeinsam haben? Ich meine Innovationen sowohl im privaten Leben als auch im Geschäftsumfeld. Fast alle Innovationen wollen es uns einfacher machen oder uns Zeit sparen oder uns schneller machen. In der Fachsprache heisst es dann „faster time to market“.

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Manchmal ist das richtig gut. Wir können Waren bestellen und bekommen sie immer schneller geliefert. Amazon bietet die Lieferung am selben Tag an. Es wird immer einfacher, Bankgeschäfte zu erledigen. Technik macht es für unsere Bauern einfacher, unsere Felder zu bestellen. Firmen können schneller neue Dienstleistungen anbieten.

Aber hier ist etwas, was mich dann doch verwundert: Wenn heute alles so einfach und schnell ist, warum leiden dann immer mehr Menschen an Burn Out? Warum habe ich manchmal das Gefühl, dass in meiner Kindheit das Leben anders war. Als meine Eltern noch lange Stunden mühsam arbeiten mussten, war das Leben für sie entspannter war und sie hatten oft gelacht, und wir hatten die Abende und Wochenenden für uns.

Nun, natürlich erinnert man sich eher an die angenehmen Dinge, aber es gibt drei Aspekte, die ich hier sehe:

Du kannst Zeit nicht sparen

1973 schrieb Michael Ende den Roman Momo, in dem Zeit-Diebe die Menschen überredenten, Ihre Zeit zu sparen – in einer Zeit-Sparkasse. Die könnten sie dann später nutzen. Das Kind Momo kämpft gegen diese Zeit-Diebe und das Buch hatte mich als Jugendlicher so fasziniert, dass ich es in einem Stück in einer Nacht durchgelesen hatte. Genauso heute: Du kannst Zeit nicht sparen. Du gehst schneller, wenn du langsamer gehst. Lies das Buch und denke an den Strassenkehrer, der Schritt für Schritt zum Ziel kommt.

Die Psychologie spielt gegen uns

Im sehr spannenden und lesenswerten Artikel We’re Optimizing Orselves to Death von Zander Nethercutt lernen wir, dass wir die freie Zeit, die wir durch moderne Technologien bekommen gar nicht für uns nutzen, sondern wir geraten in einen endlosen Kreislauf von immer mehr aktivität, was einen unglaublichen Stress auslöst. Und am Ende haben wir immer weniger Zeit. Wirklich, dies ist ein sehr lesenwerter Artikel. Lies den mal.

Manager füllen freie Zeiten ihrer Mitarbeiter mit mehr Arbeit

Wenn in Firmen neue Technologien die Arbeit erleichtern, vom Fliessband bis zum Cloud Computing, dann wird diese freie Zeit oft nicht den Mitarbeitern geben, damit sie ihre Arbeit mehr geniessen können. Stattdessen werden immer neue Arbeiten aufgelanden, oder Mitarbeiter werden entlassen, da die Arbeit ja jetzt mit weniger Menschen erledigt werden kann. Der Effekt ist, dass der Druck und der Stress immer mehr zunimmt. Innovationen können so mehr schaden als nützen.

Was also sollten wir tun

Nun, Du und ich, jeder einzelne, lasst uns überlegen wie wir unsere Zeit nutzen. Lest den Roman Momo. Kommt zur Ruhe.

Wenn Du selbständig bist, hast die die Option, selbst zu bestimmen. Ein guter Bekannter von mir ist Kieferchirurg und hat eine gut laufende Zahnarztpraxis. Immer wenn ich ihn sehe, ist er entspannt und zufrieden. Als ich ihn fragte, wie er das macht, sagte er mir: „Ich verzichte auf einen Teil meines Einkommens und nehme mir jeden Freitag frei, und auch die anderen Tage arbeite ich weniger.“ und „Die gewonnene Lebensqualität wiegt den Einkommensverlust mehr als auf,“ sagt er. Wie hältst Du es damit?

Als Angestellte bist du mehr von deinem Arbeitgeber abhängig. Ich arbeite daran, meine Zeit unter Kontrolle zu haben. Und ich habe mich gegen eine klassische Karriere mit vielen Überstunden und Stress entschieden. Ich bin noch nicht so gut mit dem Zeitmanagement, wie ich sein möchte, aber erste Erfolge sind sichtbar. Ich halte meine Wochenenden frei. Ich kann „nein“ sagen, wenn Aufgaben zu viel werden – und ich priorisiere. Mein Chef und ich reden offen über Arbeitszeiten und Aufgabenzuteilungen. Und ich habe das Glück, einen guten Chef zu heben, der sich auf diese Diskussionen einlässt.

Fan Lager

Im Mai hatte ich in diesem Beitrag erklärt, warum ich glaube, dass Fans wichtig sind. Aber wenn es nur einen Fussballvereingäbe, dann wäre es langweilig, Fan zu sein. Nun, darum gibt es viele Vereine, und es gibt Fan Lager.

Das Leben ist bunt – denn gibt es verschiedene Fan Lager (© Frank Wegner , 2011)

Diese Fan Lager findest Du besonders stark ausgeprägt bei Unternehmen. Und das solltest Du bedenken, wenn Du eine neue Lösung oder Dienstleistung an den Markt bringen willst. Es wird Leute geben, die werden deine Fans. Das ist toll. Aber es wird sicher auch Leute geben, die andere Alternativen super finden und deren Fans sind.

Wenn Du also etwas anbieten willst, dann solltest du die Fankultur verstehen. Wer steht wo? Dieser Aspekt ist meist sehr viel wichtiger als logische Argumente. Nicht vergessen: bis zu 80% der Kaufentscheidungen werden aus dem Bauch getroffen. Und ein Fan ist ein Fan, da geht das Gefühl über logische Argumente.

Aus der Welt der Speichersysteme gibt es ein klassisches Beispiel: Es gibt Leute, die finden externen Speicher toll. Andere finden Hyperconverged Infrastrukturen toll, wo der Speicher in den Servern integriert ist. Beide Lager gebärden sich manchmal wie rivalisierende Fussball Fan Lager. Werbeartikel, Zahlen, und Kosten-Nutzenrechnungen reichen dann nicht aus. Finde deine Fans und arbeite mit ihnen. Verstehe die Fankultur im Unternehmen.

Definitionen von „Cloud“

Als Physiker lege ich ganz besonderen Wert auf klare Definitionen, die allgemein akzeptiert werden. In der Welt des Marketings, in der ich mich zur Zeit bewege, scheint manchmal das Gegenteil der Fall zu sein. Da wird über Cloud Computing, Public Cloud, Private Cloud, Hybrid Cloud, und wer weiss was noch für Clouds gesprochen – doch am Ende sind wir eher verwirrt als schlauer. Wir übersehen, dass es hierbei nicht um Technik geht, sondern um Prozesse und menschliches Verhalten.

Warum ist das so?

Clouds – Wolken über Stralsund (© Frank Wegner – August 2016)

Ich sehen ein Problem darin, dass Hersteller von Produkten die Definition von „Cloud“ so drehen, dass sie am besten auf die eigenen Produkte passt. Und fast jeder redet von Technologie, wenn es um Cloud geht.

Bevor ich eine Definition vorstelle, die ich für hilfreich halte, lass mich zunächst auf zwei Definitionen eingehen, die uns Einsichten bescheren.

Während eines Treffens von IT Experten und IT Leitern stellte einer der IT Leiter eine Definition von Cloud vor, die er von seinem Chef gehört hatte: „Cloud ist, wenn ich meine IT genau so betreibe wie immer, aber doppelt so schnell und zum halben Preis.“ – lies diese Definition noch ein zweites Mal zum Verdauen: „Cloud ist, wenn ich meine IT genau so betreibe wie immer, aber doppelt so schnell und zum halben Preis.“ Wie kann das sein? Eine Vermutung von mir ist, dass der Chef vielleicht Gartner Reports oder Werbeprospekte gelesen hat, in denen die Vorzüge des Cloud Computing beschrieben sind. Aber dort finden wir oft Wenig über den Weg dahin.

Eine zweite Definition von einem meiner nicht-IT affinen Freunde ist da schon viel zielführender: „Cloud ist, wenn ich meine Dateien bei Dropbox hochlade.“ Da wird zwar ein Produkt genannt, aber der viel wichtigere Aspekt ist, dass es sich hier um eine konkrete Handlung handelt. Ich lade Dateien hoch. Und daraus ergeben sich sofort Nebeneffekte: Ich muss kein Backup machen, ich kann von jedem Gerät aus auf meine Dateien zugreifen.

Du ahnst vielleicht chon worauf ich hinaus will. „Cloud“ ist keine technische Definition, sondern ein Verhaltensmodell. Ich nutze IT anders, und als IT Verantwortlicher stelle ich IT auf andere Art bereit, die neue Nutzungsmodelle ermöglichen. Der Kern ist, dass es sich hier um ein Betriebsmodell handelt. Es geht nicht primär um Technik, sondern darum, wie ich mit technischen Resourcen umgehe.

Die Varianten Private Cloud, Public Cloud und Hybrid Cloud beschreiben dann Orte, an denen ich das Cloud Betriebsmodell einsetze. Private Cloud ist im eigenen Rechnenzentrum, Publoic Cloud nutzt Resourcen bei einer anderen Firma an einem anderen Ort, und Hybrid Cloud ist die Kombination aus beiden.

Vor einigen Jahren sprach ich mit einem Architekten eines Service Providers über Public Cloud – er sagte mir: „Wir bieten seit 15 Jahren Cloud Computing an, bei uns heisst es ‚Hosting‘.“ Da musste ich schmunzeln… es war ein weiteres Beispiel wie unscharf die Definition ist.

Doch kommen wir nun zur eigentlichen Definition. Wenn Cloud ein Betriebsmodell ist, wie sieht dieses Modell eigentlich aus? Wenn ich im Internet nach „Cloud Betriebsmodell“ suche, finde ich fast nur technische Antworten von Herstellern oder Dienstleistern, die dir verkaufen wollen, was sie haben. Für mich hat das Betriebsmodell aber primär etwas damit zu tun, wie ich mich selbst in meinem Unternehmen aufstelle.

Sind meine Prozesse so schlank, dass ich in weniger als einem Tag auf Geschäftsanforderungen reagieren kann? Weniger als einer Stunde? Weniger als einer Minute? Habe ich die Kosten unter Kontrolle? Kann ich die Sicherheitsanforderungen erfüllen?

Die Antworten muss wohl jeder für sich selber finden. Aber sei auf der Hut vor technischen Antworten. Die beste Technik verfehlt Ihre Versprechen, wenn du dein eigenes Verhalten in deinem Unternehmen nicht hinterfragst und umstellst.