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Hallo Welt!

Ich erzähle hier über Begegnungen mit Menschen, Eindrücke durch unterschiedliche Kulturen, Freundschaften, und die IT-Arbeitswelt im Silicon Valley. Du findest hier eventuell auch Tips und Anregungen für Deine Arbeit in der IT.

Willkommen zu meinem Blog über das Leben zwischen Hamburg und Palo Alto, CA. Ich hatte schon mehrmals versucht, einen Blog zu pflegen, aber alle früheren Versuche waren mir zu fragmentiert. Diesmal befolge ich einen Tip aus dem Buch ReWork: Change the Way You Work Forever von Jason Fried und David Heinemeier Hansson. Im Abschnitt Sound like you wird er beschrieben: Stelle Dir eine ganz bestimmte Person vor, für die Du schreibst. Formuliere so, als ob zu zu dieser Person sprichst.

Nun gut, ich stelle mir M aus Hamburg vor. M arbeitet in der IT Branche. Wir treffen uns immer wieder mal, um uns über Change Management, IT Trends, Produktivität, und viele andere Dinge auszutauschen. M kennt sich in der deutschen Startup Szene aus und interessiert sich für das Leben im Silicon Valley, hat aber keinen direkten Zugang dazu. Seit 2006 arbeite ich für VMware, zunächst in Deutschland, und seit 2016 habe ich einen Chef in Palo Alto, CA. Durch meine Kontakte und Reisen nach Kalifornien habe ich so Einiges über das Silicon Valley kennengelernt – und regelmässig kommt Neues hinzu. Für Dich, M, ist dieses Blog.

Ich erzähle hier über Begegnungen mit Menschen, Eindrücke durch unterschiedliche Kulturen, Freundschaften, und die IT-Arbeitswelt im Silicon Valley. Du findest hier eventuell auch Tips und Anregungen für Deine Arbeit in der IT.

Fan Lager

Im Mai hatte ich in diesem Beitrag erklärt, warum ich glaube, dass Fans wichtig sind. Aber wenn es nur einen Fussballvereingäbe, dann wäre es langweilig, Fan zu sein. Nun, darum gibt es viele Vereine, und es gibt Fan Lager.

Das Leben ist bunt – denn gibt es verschiedene Fan Lager (© Frank Wegner , 2011)

Diese Fan Lager findest Du besonders stark ausgeprägt bei Unternehmen. Und das solltest Du bedenken, wenn Du eine neue Lösung oder Dienstleistung an den Markt bringen willst. Es wird Leute geben, die werden deine Fans. Das ist toll. Aber es wird sicher auch Leute geben, die andere Alternativen super finden und deren Fans sind.

Wenn Du also etwas anbieten willst, dann solltest du die Fankultur verstehen. Wer steht wo? Dieser Aspekt ist meist sehr viel wichtiger als logische Argumente. Nicht vergessen: bis zu 80% der Kaufentscheidungen werden aus dem Bauch getroffen. Und ein Fan ist ein Fan, da geht das Gefühl über logische Argumente.

Aus der Welt der Speichersysteme gibt es ein klassisches Beispiel: Es gibt Leute, die finden externen Speicher toll. Andere finden Hyperconverged Infrastrukturen toll, wo der Speicher in den Servern integriert ist. Beide Lager gebärden sich manchmal wie rivalisierende Fussball Fan Lager. Werbeartikel, Zahlen, und Kosten-Nutzenrechnungen reichen dann nicht aus. Finde deine Fans und arbeite mit ihnen. Verstehe die Fankultur im Unternehmen.

Definitionen von „Cloud“

Als Physiker lege ich ganz besonderen Wert auf klare Definitionen, die allgemein akzeptiert werden. In der Welt des Marketings, in der ich mich zur Zeit bewege, scheint manchmal das Gegenteil der Fall zu sein. Da wird über Cloud Computing, Public Cloud, Private Cloud, Hybrid Cloud, und wer weiss was noch für Clouds gesprochen – doch am Ende sind wir eher verwirrt als schlauer. Wir übersehen, dass es hierbei nicht um Technik geht, sondern um Prozesse und menschliches Verhalten.

Warum ist das so?

Clouds – Wolken über Stralsund (© Frank Wegner – August 2016)

Ich sehen ein Problem darin, dass Hersteller von Produkten die Definition von „Cloud“ so drehen, dass sie am besten auf die eigenen Produkte passt. Und fast jeder redet von Technologie, wenn es um Cloud geht.

Bevor ich eine Definition vorstelle, die ich für hilfreich halte, lass mich zunächst auf zwei Definitionen eingehen, die uns Einsichten bescheren.

Während eines Treffens von IT Experten und IT Leitern stellte einer der IT Leiter eine Definition von Cloud vor, die er von seinem Chef gehört hatte: „Cloud ist, wenn ich meine IT genau so betreibe wie immer, aber doppelt so schnell und zum halben Preis.“ – lies diese Definition noch ein zweites Mal zum Verdauen: „Cloud ist, wenn ich meine IT genau so betreibe wie immer, aber doppelt so schnell und zum halben Preis.“ Wie kann das sein? Eine Vermutung von mir ist, dass der Chef vielleicht Gartner Reports oder Werbeprospekte gelesen hat, in denen die Vorzüge des Cloud Computing beschrieben sind. Aber dort finden wir oft Wenig über den Weg dahin.

Eine zweite Definition von einem meiner nicht-IT affinen Freunde ist da schon viel zielführender: „Cloud ist, wenn ich meine Dateien bei Dropbox hochlade.“ Da wird zwar ein Produkt genannt, aber der viel wichtigere Aspekt ist, dass es sich hier um eine konkrete Handlung handelt. Ich lade Dateien hoch. Und daraus ergeben sich sofort Nebeneffekte: Ich muss kein Backup machen, ich kann von jedem Gerät aus auf meine Dateien zugreifen.

Du ahnst vielleicht chon worauf ich hinaus will. „Cloud“ ist keine technische Definition, sondern ein Verhaltensmodell. Ich nutze IT anders, und als IT Verantwortlicher stelle ich IT auf andere Art bereit, die neue Nutzungsmodelle ermöglichen. Der Kern ist, dass es sich hier um ein Betriebsmodell handelt. Es geht nicht primär um Technik, sondern darum, wie ich mit technischen Resourcen umgehe.

Die Varianten Private Cloud, Public Cloud und Hybrid Cloud beschreiben dann Orte, an denen ich das Cloud Betriebsmodell einsetze. Private Cloud ist im eigenen Rechnenzentrum, Publoic Cloud nutzt Resourcen bei einer anderen Firma an einem anderen Ort, und Hybrid Cloud ist die Kombination aus beiden.

Vor einigen Jahren sprach ich mit einem Architekten eines Service Providers über Public Cloud – er sagte mir: „Wir bieten seit 15 Jahren Cloud Computing an, bei uns heisst es ‚Hosting‘.“ Da musste ich schmunzeln… es war ein weiteres Beispiel wie unscharf die Definition ist.

Doch kommen wir nun zur eigentlichen Definition. Wenn Cloud ein Betriebsmodell ist, wie sieht dieses Modell eigentlich aus? Wenn ich im Internet nach „Cloud Betriebsmodell“ suche, finde ich fast nur technische Antworten von Herstellern oder Dienstleistern, die dir verkaufen wollen, was sie haben. Für mich hat das Betriebsmodell aber primär etwas damit zu tun, wie ich mich selbst in meinem Unternehmen aufstelle.

Sind meine Prozesse so schlank, dass ich in weniger als einem Tag auf Geschäftsanforderungen reagieren kann? Weniger als einer Stunde? Weniger als einer Minute? Habe ich die Kosten unter Kontrolle? Kann ich die Sicherheitsanforderungen erfüllen?

Die Antworten muss wohl jeder für sich selber finden. Aber sei auf der Hut vor technischen Antworten. Die beste Technik verfehlt Ihre Versprechen, wenn du dein eigenes Verhalten in deinem Unternehmen nicht hinterfragst und umstellst.

Du brauchst Fans

Du hast ein Produkt oder eine Idee, die du in den Markt bringen willst. Oder du arbeitest für eine Firma, die Kunden gewinnen will. Dann brauchst du Fans. Fans, die bedingungslos zu dir stehen und deine Ideen weiter tragen.

Das ist genau wie bei einem Fussballverein mit einer langen Tradition, wie z.B. dem Hamburger Sportverein. Die Fans des HSV bleiben ihrem Verein treu, auch wenn er aus der Bundesliga absteigt. Die Fans bleiben treu, auch wenn die Management-Entscheidungen unglücklich sind. Die Fans bleiben treu, wenn die Spieler schlecht spielen. Die Fans bleiben treu, wenn die Vereinsträger oder Spieler sich Eskapaden leisten.

HSV Nordkurve
Nordkurve des Volksparkstadions, Heimat des Hamburger Sportvereins (HSV) © www.hamburg-fotos-bilder.de

Aber warum sind Fans für dich wichtig? Nun, überlege doch mal, wie der Markt funktioniert. Es gibt eine grosse Auswahl an Optionen. Einkäufer und potentielle Kunden müssen sich in der Angebotsvielfalt zurecht finden. Marketingabteilungen arbeiten daran, die Mehrwerte der Produkte auf logische Art darzustellen. Aber Logik reicht nicht aus, weil nur ein kleiner Teil der Kaufentscheidungen mit dem Kopf getroffen werden. Der überwiegende Anteil hat das Herz und das Bauchgefühl. Beim HSV sagt man nicht umsonst, dass die Fans die Raute im Herzen trügen.

Wenn deine Idee oder dein Produkt einzigartige Werte liefert, die auf keine andere Art erreicht werden können, das ist schon mal ein guter Start (dazu empfehle ich den sehr gut geschriebenen Artikel Value von Yishai Ashlag – pdf Download). Aber das alleine reicht nicht aus, vor allem wenn der Mehrwert nur erreicht wird, wenn die Käufer ihr Verhalten ändern müssen. Das ist bei vielen Technologieprodukten aber der Fall. Ausserdem muss die allererste Kundenerfahrung sehr positiv sein. Wenn eine neue App nicht sofort verständlich ist, lösche ich sie oft wieder nach wenigen Momenten – und ich werde sie wohl nicht erneut ausprobieren.

Das heisst, es gibt hier eine steile Klippe, die du überwinden musst, um in den Markt zu kommen. Und genau dabei helfen Fans. Fans sind Kunden, die zu dir stehen, auch wenn deine Idee noch nicht ausgereift ist. Fans geben dir ehrliches Feedback. Fans investieren in deine Zukunft, weil sie sich selbst einen grossen Mehrwert erhoffen.

Ich erlebe Fans bei meiner Firma, Fans die sehr viel Geld in unsere Produkte investieren, obwohl noch nicht alles so rund läuft, wie sie es gerne hätten. Zum Teil, weil sie ihr eigenes Verhalten (Teams und Prozesse) noch nicht angepasst haben, zum Teil weil es technische Schwierigkeiten gibt. Aber diese Fans sehen in unseren Lösungen das Fundament für ihre eigene Zukunft. Auf diese Weise wachsen wir zusammen, und am Ende können beide gewinnen.

Aber selbst Fans sind keine Garantie, dass deine Idee überlebt. Ich hatte mich vor 5 Jahren entschieden, Geld für The Grid, einen AI-basierten Webseitengenerator, auszugeben, und es gab eine kleine aber sehr aktive Gruppen von Fans. Diese Fans waren voll und ganz von der Idee von The Grid überzeugt. Und während das Startup keine gute Kommunikation zeigt, übernahmen eine Fans die Öffentlichkeitsarbeit. Und bis heute gibt es kein wirkliches Produkt – auch 10 Jahre nach der Gründung nicht. Ob etwas daraus wird, weiss ich nicht. Aber ohne Fans geht es wahrscheinlich nicht.

Wovon bist du ein Fan? Von einem Fussballverein? Einem Hersteller? Einem Produkt? Denk mal darüber nach. Was hält dich daran? Und dann denk über deine Idee oder dein eigenes Produkt nach. Hast du Fans? Wie gehst Du mit deinen Fans um?

Fans stehen zu dir, auch wenn mit deiner Marktstrategie mal etwas schief geht. Fans stehen zu dir, auch wenn deine Lösung Fehler aufweist. Fans stehen zu dir, auch wenn sie leiden. Fans sind deine besten Informationsquellen, um zu spüren, wie du dich selber entwickeln solltest. Fans folgen keiner Logik. Fans lesen keine Gartner Reports. Fans suchen etwas, was ihrem Leben Sinn gibt, etwas, was ihre Arbeit fundamental erleichtert, etwas, was Spass macht. Was hast du davon in deinem Angebot?

Was haben Startups, Musiker und Mondfische gemeinsam?

Es gibt viele Startups, aber nur ein kleiner Prozentsatz wird eine grosse Firma. Es gibt viele Musiker, aber nur wenige verdienden viel Geld (in diesem Zusammenhang empfehle ich die brilliante Lektüre How Music Works von David Byrne). Ein Mondfisch kann bis zu 300 Millionen Eier legen, aber nur wenige der Eier entwicklen sich zu ausgewachsenen Fischen.

Mola mola (Mondfisch) U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration [Public domain]

Bei diesen Statistiken hat mich etwas überrascht: Im Silikon Valley wechseln erstaunlich viele erfahrene Leute, die ich kenne, von grösseren Unternehmen zu Startups, oder sie gründen Startups. Warum gehen sie solche Risiken ein? In Deutschland erlebe ich das so nicht. Da sehe ich eher, dass Leute von einem großen Unternehmen in ein anderes etabliertes Unternehmen wechseln.

Warum ist das so? Da kann ich wirklich nur spekulieren. Vielleicht liegt es an der (gefühlten) Sicherheit, die ein grosses Unternehmen in Deutschland seinen Arbeitnehmern bietet? Oder es liegt daran, dass an amerikanischen Universitäten die Studenten viel leichter in den Kontakt mit (kleinen) Firmen kommen, und so inspiriert werden?

Ein anderer Grund mag sein, dass es im Silicon Valley zur Zeit so viele Gelegenheiten gibt, Arbeit zu finden, und dass es nicht als persönliches Scheitern angesehen wird, wenn ein Startup fehlschlägt.

Ich kenne einige Startup-Gründer im Silicon Valley sehr gut, und eines vereint sie alle: Alle wollen mit ihrem Unternehmen ein Problem lösen, dass sie selber in Ihrer Arbeit erlebt haben oder dass sie sehr gut kennen. Sie sind aus einer Frustration (oder Inspiration) heraus angetreten, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Gibt es diesen Geist auch in Deutschland? Sicher. Und doch glaube ich, ass wir hier noch viel Potential haben.

Was frustriert Dich? Was für eine Lösung brauchst Du? Vielleicht wird daraus ja eine Geschäftsidee?