Wirklich intelligente Maschinen

Die Definition von künstlicher Intelligenz kann schwammig sein. Manchmal scheint es nur brute force number crunching zu sein. Da wird über immer mehr Rechenleistung ein Verhalten erzeugt, dass Intelligenz zu zeigen scheint. Aber wenn wir hinter die Kulissen von Deep Blue und anderen Supercomputern schauen, die Spiele wie Schach oder Go meistern, dann sind das Sonderfälle, wo Wissen auf einem klar definierten Gebiet optimiert ist.

Die menschliche Intelligenz ist viel kreativer und anpassungsfähiger. Sie ist auf alle Fälle unseres Lebens vorbereitet, viel mehr als jeder Computer.

Und genau da setzt der 15 Jahre alte Klassiker von Jeff Hawkins und Sandra Blakeslee an: „On Intelligence“ ist ein Buch, in dem wir sehr detailliert die Einzelheiten lernen, wie das menschliche Gehirn funktioniert, wie der Neocortex aufgebaut ist, wie wir uns damit Dinge merken, und wie wir Entscheidungen treffen. Und genau diese biologische Vorlage nehmen die Autoren, um Hinweise zu geben, wie man wirklich intelligente Computer bauen kann.

Ein Kollege und Freund hat mir dieses Buch empfohlen, und ich kann diese Empfehlung nur weitergeben. Auch wenn die Vorhersagen von vor 15 Jahren nicht so richtig eingetroffen sind, ist es doch eine erhellende Lektüre.
„Die mächtigsten Dinge sind einfach.“, schreibt Jeff im Prolog. Er hat Recht, man mag nur an das iPhone denken. So wird in diesem Buch eine einfache und geradlinige Theorie der Intelligenz dargestellt. Es ist sehr tief gehend, wenn die einzelnen Zellen und Zellregionen im Gehirn erklärt werden, wie sie zusammenwirken, und wie Informationen gespeichert und abgerufen werden. Ja, du solltest dich beim Lesen konzentrieren, aber ist es auch für Nicht-Neurowissenschaftler verständlich.

Wenn nun eine Maschine dieses Verhalten des menschlichen Gehirns nutzt, dann ist sie wirklich intelligent. Jeff vermutet in diesem Buch, dass in 10 Jahren (das wäre 2015) solche intelligenten Maschinen existieren. Aber im nächsten Satz wird er gleich vorsichtiger, weil es auch länger dauern kann.

Jeff ruft dazu auf, solche Maschinen zu bauen, die den menschlichen Neocortex des Gehirns als Vorbild haben. In dem Buch gibt es einige Beispiele, z.B. wie solche Maschinen kommunizieren und das Wetter der Welt in einer Detailtiefe erfassen, die heute unmöglich scheint. Wollen wir das wirklich? Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Und ich habe auch noch nichts weiter von solchen Maschinen gehört.

Wie dem auch sei, ich empfehle das Buch „On Intelligence“ jedem, der sich für intelligente Computer interessiert. Du wirst nach der Lektüre mehr Respekt vor deinem Gehirn haben.

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