Guter Code ist wie gute Literatur

Die Grundlage vieler Innovationen ist Software. Software frisst die Welt („Software is eating the world“) sagte Marc Andreessen schon im August 2011. Software ist auch die Grundlage von allem maschinellem Lernen. Und woraus besteht Software? Aus Code. Da denke ich, es ist wichtig zu verstehen, was guter Code ist.

Ein guter Kollege empfahl mir zu diesem Thema das Buch „A Philosophy of Software Design“ von John Ousterhout. Der Name des Autors kam mir bekannt vor. Aber ich wusste nicht gleich, warum. Erst in einem späteren Kapitel, in dem John über die Tcl-Skriptsprache schrieb, wurde es mir klar. Ich hatte in den 1990er Jahren viel das Buch „Tcl and the Tk Toolkit“ desselben Autors benutzt. Ich entwickelte damals Linux-Gerätetreiber (ladbare Module für den Slackware Linux 0.99 Kernel) für ein Messsystem in meinem Physikstudium, und ich benutzte Tcl/Tk für die Anwendungs-Oberfläche.

„A Philosophy of Software Design“ ist cool. Es hat mich sehr stark an ein anderes Buch erinnert, das ich diesen Sommer gelesen hatte: „On Writing Well“ von William Zinsser. In dem Buch wird erklärt, wie man Texte aller Art schreibt. Sei klar und nutze kurze Sätze. Schreibe für dich, so wie du es gern lesen möchtest. Guter Code ist wie gute Literatur – er ist zeitlos. Die Software-Design-Tipps sind wie Tipps zum Schreiben von Literatur jeglicher Art – halte es einfach und vermeide Komplexität. Definiere gute Interfaces mit der richtigen Abstraktionsebene. Denke an andere Entwickler, die nach dir mit dem Code arbeiten werden.

Über Jahrzehnte hinweg haben sich diese Regeln nicht geändert. Und auch die scheinbar so agilen und schnellen Innovationen halten sich am Ende an diese Regeln, weil sie auf Code basieren. Und zwar idealerweise auf gutem Code.

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