Definitionen von „Cloud“

Als Physiker lege ich ganz besonderen Wert auf klare Definitionen, die allgemein akzeptiert werden. In der Welt des Marketings, in der ich mich zur Zeit bewege, scheint manchmal das Gegenteil der Fall zu sein. Da wird über Cloud Computing, Public Cloud, Private Cloud, Hybrid Cloud, und wer weiss was noch für Clouds gesprochen – doch am Ende sind wir eher verwirrt als schlauer. Wir übersehen, dass es hierbei nicht um Technik geht, sondern um Prozesse und menschliches Verhalten.

Warum ist das so?

Clouds – Wolken über Stralsund (© Frank Wegner – August 2016)

Ich sehen ein Problem darin, dass Hersteller von Produkten die Definition von „Cloud“ so drehen, dass sie am besten auf die eigenen Produkte passt. Und fast jeder redet von Technologie, wenn es um Cloud geht.

Bevor ich eine Definition vorstelle, die ich für hilfreich halte, lass mich zunächst auf zwei Definitionen eingehen, die uns Einsichten bescheren.

Während eines Treffens von IT Experten und IT Leitern stellte einer der IT Leiter eine Definition von Cloud vor, die er von seinem Chef gehört hatte: „Cloud ist, wenn ich meine IT genau so betreibe wie immer, aber doppelt so schnell und zum halben Preis.“ – lies diese Definition noch ein zweites Mal zum Verdauen: „Cloud ist, wenn ich meine IT genau so betreibe wie immer, aber doppelt so schnell und zum halben Preis.“ Wie kann das sein? Eine Vermutung von mir ist, dass der Chef vielleicht Gartner Reports oder Werbeprospekte gelesen hat, in denen die Vorzüge des Cloud Computing beschrieben sind. Aber dort finden wir oft Wenig über den Weg dahin.

Eine zweite Definition von einem meiner nicht-IT affinen Freunde ist da schon viel zielführender: „Cloud ist, wenn ich meine Dateien bei Dropbox hochlade.“ Da wird zwar ein Produkt genannt, aber der viel wichtigere Aspekt ist, dass es sich hier um eine konkrete Handlung handelt. Ich lade Dateien hoch. Und daraus ergeben sich sofort Nebeneffekte: Ich muss kein Backup machen, ich kann von jedem Gerät aus auf meine Dateien zugreifen.

Du ahnst vielleicht chon worauf ich hinaus will. „Cloud“ ist keine technische Definition, sondern ein Verhaltensmodell. Ich nutze IT anders, und als IT Verantwortlicher stelle ich IT auf andere Art bereit, die neue Nutzungsmodelle ermöglichen. Der Kern ist, dass es sich hier um ein Betriebsmodell handelt. Es geht nicht primär um Technik, sondern darum, wie ich mit technischen Resourcen umgehe.

Die Varianten Private Cloud, Public Cloud und Hybrid Cloud beschreiben dann Orte, an denen ich das Cloud Betriebsmodell einsetze. Private Cloud ist im eigenen Rechnenzentrum, Publoic Cloud nutzt Resourcen bei einer anderen Firma an einem anderen Ort, und Hybrid Cloud ist die Kombination aus beiden.

Vor einigen Jahren sprach ich mit einem Architekten eines Service Providers über Public Cloud – er sagte mir: „Wir bieten seit 15 Jahren Cloud Computing an, bei uns heisst es ‚Hosting‘.“ Da musste ich schmunzeln… es war ein weiteres Beispiel wie unscharf die Definition ist.

Doch kommen wir nun zur eigentlichen Definition. Wenn Cloud ein Betriebsmodell ist, wie sieht dieses Modell eigentlich aus? Wenn ich im Internet nach „Cloud Betriebsmodell“ suche, finde ich fast nur technische Antworten von Herstellern oder Dienstleistern, die dir verkaufen wollen, was sie haben. Für mich hat das Betriebsmodell aber primär etwas damit zu tun, wie ich mich selbst in meinem Unternehmen aufstelle.

Sind meine Prozesse so schlank, dass ich in weniger als einem Tag auf Geschäftsanforderungen reagieren kann? Weniger als einer Stunde? Weniger als einer Minute? Habe ich die Kosten unter Kontrolle? Kann ich die Sicherheitsanforderungen erfüllen?

Die Antworten muss wohl jeder für sich selber finden. Aber sei auf der Hut vor technischen Antworten. Die beste Technik verfehlt Ihre Versprechen, wenn du dein eigenes Verhalten in deinem Unternehmen nicht hinterfragst und umstellst.

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